Die zwei Seiten der guten Eigenschaften

nachdenklich

Erinnern Sie sich noch, weshalb Sie sich damals in Ihren Partner verliebt haben? War es die einfühlsame Art, die Großzügigkeit, der tolle Kleidungsstil? Und jetzt? Gibt es etwas, das Sie so richtig nervt? Ist er oder sie Ihnen vielleicht zu sensibel, zu verschwenderisch oder zu oberflächlich?

Nicht selten passiert es, dass uns genau die Eigenschaften, die wir zu Beginn der Beziehung an unserem Partner ganz besonders mochten oder sogar bewundert haben, plötzlich in den Wahnsinn treiben. Manchmal geht es sogar so weit, dass wir uns – so paradox es auch klingen mag – aufgrund derselben Eigenschaften von unserem Partner trennen, in die wir uns einst verliebt haben.

Fürsorge wird zu Kontrolle, Sparsamkeit zu Geiz, Lebensfreude zu Unvernunft, Unabhängigkeit zu Egoismus, Entspanntheit zu Faulheit, eine ruhige Art zu Langeweile und Höflichkeit zu Unaufrichtigkeit. Diese Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Sicher, möglicherweise hat der Partner sich tatsächlich verändert und sein Verhalten hat sich in Richtung eines Extrems bewegt. Doch sehr wahrscheinlich hat sich vor allem unsere Sicht auf bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen verändert. Während wir zu Beginn der Beziehung noch alles durch die rosarote Brille gesehen haben und einfach immer positive Motive hinter allen Verhaltensweisen unterstellt haben, fallen uns jetzt viel mehr die unangenehmen Eigenheiten auf.

Wohl jede Eigenschaft (und mag sie noch so positiv scheinen) hat immer zwei Seiten. Alles hat seine Vor- und Nachteile und es ist vor allem eine Frage der Perspektive, ob man etwas als positiv oder negativ bewertet. Ich will nicht behaupten, dass sich alle Beziehungsprobleme durch schlichtes Umdenken lösen lassen. Doch manchmal kann es sehr hilfreich sein, sich vor Augen zu führen, wie man eine vermeintlich negative Eigenschaft des Partners positiv sehen könnte oder wie Sie selbst sie sogar vor einigen Jahren noch positiv gesehen haben. Überlegen Sie ruhig einmal, in welche Eigenschaften Ihres Partners Sie sich damals verliebt haben und vergleichen Sie diese Liste dann mit den Dingen, die Sie vielleicht tagtäglich nerven.

Ziel dabei ist es natürlich nicht, alle Eigenschaften des Partners zu verherrlichen. Vielmehr geht es um deren realistische Betrachtung und die Erkenntnis, dass sie sowohl ihre positiven als auch ihre negativen Konsequenzen mit sich bringen. Wenn Sie das Positive erkennen und sich daran freuen können, dann lässt sich auch das Negative leichter akzeptieren.

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